Stummfilm „100 Jahre Stadt Burscheid - September 1956“

Ernst Maibüchen hat im November 1956 notiert, was der Film vom Stadtjubiläum zeigt.
Den Text hat
Anne Marie Frese im Januar 2013 überarbeitet und ergänzt:

Zu Beginn werden Szenen der festlichen Ratssitzung gezeigt, die zum Gedenken an die Verleihung der Stadtrechte im Evangelischen Gemeindehaus stattgefunden hat. Damit wurden die Feierlichkeiten zum Stadtjubiläum am Morgen des 8. September 1956 eingeleitet. Unter dem Dirigat von Willi Weber spielte der Ölberger Instrumentalverein (der alte Name Musicalische Academie von 1812 wurde erst 1962 wieder angenommen) zu Beginn der Veranstaltung den ersten Satz der 3. Sinfonie 'Eroica' von Ludwig van Beethoven. Prof. Dr. Paul Luchtenberg stellte seine Festrede unter die Überschrift „Werden und Wesen der Stadt Burscheid". Er überbrachte gleichzeitig die Glückwünsche der Landesregierung. Luchtenberg war damals Kultusminister von NRW. Im Anschluss an seine Rede überreichte Luchtenberg dem Königlichen Musikdirektor Ferdinand Ris, der von 1896 bis 1938 das Burscheider Traditionsorchester geleitet hatte, das Bundesverdienstkreuz. Ein ganz besonderes Geschenk erhielt Bürgermeister Karl-Heinz- Daubach: Luchtenberg legte ihm die Amtskette mit dem Burscheider Wappen um, die seit jenem Tag jeder Bürgermeister bei festlichen Anlässen der Stadt Burscheid trägt. Anschließend sprachen noch Landrat Gladbach für den Rhein-Wupper-Kreis, Dr. Eugen Fervers, der Leiter der Goetze-Werke, für die Industrie und Dr. Kottenberg als Repräsentant des Städte- und Gemeindebundes. Dr. Fervers überbrachte der Stadt Burscheid einen namhaften Geldbetrag, der zum Bau eines Jugendhauses auf dem Sportplatz Griesberg verwendet werden soll. Nachdem Bürgermeister Daubach alien Rednern und den an der Gestaltung des Festaktes Beteiligten seinen Dank ausgesprochen hatte, spielte der Ölberger Instrumentalverein noch die 'Jubel-Ouvertüre in E-Dur', die der Dirigent Willi Weber zu diesem Anlass komponiert hatte.

Im Anschluss an die festliche Ratssitzung begaben sich die Mitglieder des Rates zusammen mit allen Gästen in die „Alte Post" gegenüber der evangelischen Kirche. Im Saal dieses traditionsreichen Hauses hatten im Laufe vieler Jahre unzählige Konzerte stattgefunden. Zum Stadtjubiläum war dort eine Ausstellung der Burscheider Industrie aufgebaut worden, die während der festlichen Tage besichtigt werden konnte. Die Geschichte der Burscheider Industrie begann um 1800 mit der 'Siamosen-Weberei', die bis in die 1860er Jahre betrieben wurde. Meistens handelte es sich um Handweber, die im Auftrag eines 'Fabrikanten' arbeiteten, von dem sie Auftrag und Material erhielten und auch bezahlt wurden. Man nennt das Verlagswesen. In den 1860er Jahren wurde die erste mechanische Weberei erbaut, und zwar von der Firma Urbahn & Kotthaus im Luisental. Die Burscheider Textilfabrikation spezialisierte sich später auf die Herstellung von Futterstoffen sowie Stoffen für die Möbelherstellung. Ab den 1830er Jahren wurden auch Betriebe zur Färberei und Appretur von Textilien gegründet. Schuhfabrikation und die Herstellung von Kerzen und Wachswaren folgten im frühen 20. Jahrhundert, dazu kam noch die Herstellung von Feinleder. Der erste Metall verarbeitende Betrieb nahm seine Tätigkeit in den 1870er Jahren in Kaltenherberg auf, es handelte sich um die Firma Heinrich Bertrams, die später nach Siegen umzog und heute als weltweit tätiger Konzern ihren Sitz in Muttenz bei Basel hat. 1887 hatte Friedrich Goetze, der durch den Bau der Eisenbahn aus seiner sächsischen Heimat nach Burscheid gekommen war, in der Thielenmühle eine erste kleine Werkstatt zur Herstellung von Dichtungsringen eingerichtet, 1889 zog er an die heutige Bürgermeister-Schmidt-Straße um. Aus der kleinen Werkstatt entwickelte sich ein bedeutender Zulieferer der internationalen Automobil-Hersteller. Es ist die einzige Firma unter allen Teilnehmern der Ausstellung von 1956, die noch heute existiert und ständig expandiert hat.

Nach dem Besuch der Industrie-Ausstellung fand der offizielle Empfang der Stadt Burscheid im Goetze-Hof (Ewald-Sträßer-Weg, Ecke Montanusstraße) statt. Eine große Anzahl von Gästen fand dort Gelegenheit, sich über die Entwicklung Burscheids zu unterhalten: im Herzogtum Berg war Burscheid ein Kirchspiel, während der französischen Besatzung wurde daraus eine Mairie, und als das Rheinland nach dem Wiener Kongreß von 1815 zu Preußen kam, war Burscheid eine preußische Landgemeinde, bis es durch die Unterschrift Friedrich Wilhelms IV. Stadtrechte erhielt. 1856 hatte die Einwohnerzahl das „13. Tausend" erreicht, wie Ernst Maibüchen bemerkte. Die Stadt wächst ständig und ist „durch Eisenbahn und Aütob-ahn Sowie eine Reihe von Omnibuslinien" mit der Umgebung verbunden (Zitat Maibüchen). Bei dem offiziellen Empfang trugen sich viele Gäste und die Mitglieder des Rates in das neue „Ehrenbuch" der Stadt ein.

Das Haus Kämper (Pastor-Löh-Str. 3) wurde 1839 als Volksschule erbaut und ersetzte damals die alte Dorfschule, die auf dem heutigen Kirchplatz gestanden hat. Von der alten Dorfschule blieb lediglich die schön geschnitzte Haustür erhalten, die ursprünglich zur Ausstattung des Klosters der Zisterzienser in Altenberg gehörte (heute: Hauptstr. 91).

Bei den Gebäuden handelt es sich um das Anwesen von Bürgermeister Matthias Pott in Dünweg (heute nicht mehr vorhanden). Von dort aus leitete Pott zwischen 1819 und 1851 die Verwaltung der Landgemeinde Burscheid, zu der damals auch Witzhelden gehörte.

Jetzt ist Hilgen im Festschmuck von der neuen (1956I) Bahnbrücke aus zu sehen. Die Bahnlinie von Opladen nach Remscheid Lennep wurde in den Jahren 1879 — 1881 gebaut, 1881 hielt der erste Zug in Burscheid.

Am 1. Oktober 1938 wurde die Autobahn für den Verkehr frei gegeben. In den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges wurden sowohl die Lambertsmühler als auch die Bruchermühler Autobahnbrücke gesprengt. Im Bild ist jetzt die wieder hergestellte Bruchermühler Brücke zu sehen.

Die (alte) Hilgener Schule in Hürringhausen, deren ältester Teil seit 1834 genutzt wird. Die EMA-Schule hinter der im Bild gezeigten alten Schule befindet sich im Bau.

Inmitten von Obstwiesen liegt die alte Ortschaft Hürringhausen.

1954 entstand in Hilgen die katholische Liebfrauenkirche, deren Turm hier zu sehen ist. Es handelt sich um einen Bau des bekannten Kirchen-Baumeisters Prof. Dominikus Böhm. Ein Blick in das Innere der Kirche zeigt deren schlichte, aber überzeugende Form.

An der B 51 liegt das alte Gut Höfchen, das bis etwa 1750 zum Rittersitz Haus Landscheid gehörte. Lange Zeit wurde hier eine Branntweinbrennerei betrieben, und „Höfchens Kloaren" war im ganzen Bergischen Land ein Begriff. Seit 1940 gehört der Betrieb zum Bayer-Konzern, heute Bayer Crop Science, und zwar als Versuchsgut für Pflanzenschutzmittel, die hier in sorgfältig von Fachleuten getestet werden. Höfchen ist häufig das Ziel von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt.

Nun sehen wir das Gebäude der alten Maine und Posthalterei in Straßerhof. Da Burscheid lange nur eine Postnebenstelle besaß, war diese Posthalterei vor etwa 100 Jahren von besonderer Bedeutung. Hier hielten die Postwagen, die dreimal pro Woche nach Lennep oder Köln verkehrten. Hier mussten auch alle Reisenden aussteigen, die Altenberg besuchen wollten. Als der wieder aufgebaute Dom 1847 feierlich eingeweiht wurde, stiegen hier der preußische König Friedrich Wilhelm IV und seine Gemahlin ab, um zu Fuß nach Altenberg zu gelangen. Es ist überliefert, dass es an dem Tag sehr stark regnete.... Als Burscheid ein eigenes Postamt erhielt und sogar an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde, verlor die Posthalterei Straßerhof an Bedeutung. Von Straßerhof aus leitete der erste von der französischen Verwaltung eingesetzte Maire, Peter Wilhelm Schorr, ab 1808 die Burscheider Verwaltung. Bis 1819 gehörte auch Steinbüchel zum Burscheider Verwaltungsbereich.

Das nächste Bild zeigt die „neue" Schule in Sträßchen, einen sogenannten 'Fredeburger Musterbau'. Die alte Schule existiert noch schräg gegenüber auf der anderen Seite der Bundesstraße und wurde in ein Wohnhaus umgewandelt.

Haus Landscheid: Die älteste Urkunde, in der dieser Rittersitz erwähnt wird, datiert von 1301. Von der ursprünglichen Burg sind keine Spuren mehr zu finden. Das barocke Gebäude wurde in den Jahren 1718 bis 1725 errichtet. Über der Eingangstür sind die verbundenen Wappen des adeligen Ehepaares zu sehen, das das Haus erbauen ließ. Die Inschrift lautet:

Was wir auch besitzen, Du hast es uns gegeben, oh Herr.
Ernst
Bertram von Hall auf Ophoven, Maria Anna von Hochstaden
auf Niederzier haben diese Burg von Grund auf gebaut.

Die Eheleute hatten 1716 geheiratet, und schon zehn Jahre nach der Fertigstellung wurde die Burg verpachtet. Seitdem hat Haus Landscheid viele Besitzer kommen und gehen gesehen. 1956, im Jahr des Stadtjubiläums, befand sich dort ein Heim für Kinder aus Spätaussiedlerfamilien, die in einer eigenen Schule unterrichtet und auf das Berufsleben vorbereitet wurden. Das Haus wurde von den Aprather Anstalten betrieben. Heute befindet sich Haus Landscheid wieder in Privatbesitz und beherbergt ein HoteI mit Restaurant sowie ein Institut für Sportmedizin. In Haus Landscheid gibt es auch ein Trauzimmer.

Die Lambertsmühle, aufgenommen am 9. September 1956. Bis 1751 gehörte die Mühle als Bannmühle zum Rittersitz Haus Landscheid. In einer Bannmühle müssen alle Bauern aus dem Gebiet ihr Korn mahlen lassen. Der erste bürgerliche Besitzer was Peter Busch. Nachdem das alte Mühlengebäude 1765 durch einen Brand zerstört worden war, erwarb der Müller Phillip Klein das Grundstück 1766. Klein war Schöffe des Amtes Miselohe am Gericht in Opladen. Zusammen mit seiner Ehefrau ließ er das Mühlengebäude errichten, das wir hier sehen. Einer seiner Nachkommen, Gustav Conrads, erwarb die Mühle 1858. Zur Lambertsmühle gehörte, wie bei den meisten Burscheider Mühlen, auch eine Bäckerei, in der das große bergische Schwarzbrot gebacken wurde. Über der Haustür lesen wir die Inschrift:

Phillip Klein und Anna Beckers Ehe Leuthe haben diese Mühe gekauft
und den Bau hiehin setzen lassen im Jahr 1766. Unsern eingang segne Gott.
Unsern Außgang gleichermassen segne Unser täglich Brot,
Segne Unser thun und lassen segne Uns mit Seligem sterben
und mach Uns zu Himmels erben. Amen.

Jetzt sehen wir von Repinghofen aus die Lambedsmühler Talbrücke der Autobahn A 1. Von der Anhöhe geht der Blick über die ganze Rheinebene bis zum Vorgebirge.

Das Rathaus (Bismarckstraße 8) prangt dem Jubiläumsfest entsprechend in reichem Fahnenschmuck. Einige Tage vorher wurde das neue, von Erich Richartz gestiftete Wappen aufgestellt, das in Mosaiktechnik ausgeführt wurde. Es befindet sich heute am Ewald-Sträßer-Weg vor dem Seiteneingang des (neuen) Rathauses. Das Rathaus an der Bismarckstraße wurde 1928 von Sanitätsrat Dr. Ispert erworben, der es 1906 hatte erbauen lassen. Da das umliegende Gelände der evangelischen Kirchengemeinde gehörte, wurde die Verbindungsstraße zur Bürgermeister-Schmidt-Straße Pfarrstraße genannt. Die lspertsche Villa war von einem großen Park umgeben. Das Feuerwehrgerätehaus unterhalb des Rathauses (jetzt verschwunden) wurde kurz vor dem Zweiten Weltkrieg erbaut.

Auf dem freien Platz hinter dem Feuerwehrgerätehaus stand während des Stadtjubiläums das Festzelt. Dort wurde am Samstagabend, 8. Sept. 1956, in bergischem Platt ein von Rektor Fritz Hinrichs aus Leichlingen verfasstes Theaterstück aufgeführt.

Die Goetzewerke Friedrich Goetze AG (heute: Federal Mogul) wurden 1887 von Friedrich Goetze gegründet, der als Lokornotivführer und Techniker während des Baus der Eisenbahnlinie aus Sachsen nach Burscheid gekommen war. Aus bescheidenen Anfängen in der Thielenmühle (1887) und an der Bürgermeister-Schmidt-Straße (seit 1889) entwickelte sich das größte Industrieunternehmen unserer Stadt.

Entlang des Parks (alter Friedhof, genutzt ab 1847) blicken wir zur Evangelischen Kirche. Dort wurde während des Jubiläumsfestes am 9. und 10. September 1956 die Große Messe in c-moll von Wolfgang Amadeus Mozart aufgeführt. Unter dem Dirigat von Hans Elling musizierten die Chorgemeinschaft Burscheid, verstärkt durch Mitglieder des katholischen Kirchenchors, das Städtische Orchester Remscheid und vier Solisten. Die evangelische Kirche ist das älteste Kirchengebäude in Burscheid, die Vorgängerbauten der heute bestehenden Kirche gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das 12. Jahrhundert zurück.

Die älteste Urkunde bezieht sich auf die Abgabepflicht der Burscheider Kirche an das Stift Gereon in Köln und datiert von 1175. Wie die Vorgängerbauten ausgesehen haben, wissen wir nicht. Das Gebäude, das wir heute kennen, wurde in den Jahren 1767 bis 1770 errichtet, der Turm in den 1870er Jahren.. Bis in unsere Zeit gehörte der Turm der politischen Gemeinde, während die eigentliche Kirche Eigentum der Kirchengemeinde war. Im Innenraum ist die typisch bergische Form der drei über einander liegenden Prinzipalstücke zu sehen: Altar, Kanzel und Orgel bilden eine vertikale Einheit.

Die katholische Kirche wurde 1892 eingeweiht, der Turm kam erst Ende der 1950er Jahre hinzu. Im Jahr des Stadtjubiläums wurde die neogotische Kirche aufwändig renoviert, so dass Kommunionbank und Hauptaltar im Film besonders schön zu sehen sind.

Am Sonntagmorgen, 9. September 1956, versammelte sich nach Festgottesdiensten in den Kirchen der Stadt die 'Musikgemeinde' zu einer besonderen Feierstunde am Denkmal des Jacob Salentin von Zuccalmaglio in der Montanusstraße. Jacob Salentin von Zuccalmaglio (1775-1838), Notar und 'Maire' in Schlebusch, gründete 1812 die Musicalische Academie. Das Denkmal wurde 1937 vom Ehepaar Luchtenberg gestiftet und von dem Bildhauer Ernst Kunst gestaltet, den wir zu Beginn dieser Feierstunde am Denkmal zusammen mit Ernst Maibuchen sehen. Zu Beginn spielen die Bläser des Ölberger Instrumentalvereins unter der Leitung von Willi Weber eine Fanfare und einen Choral. Nach einem Auftritt der Männerchöre der Musikgemeinde unter der Leitung von Albert Mika hält Walter Heinze, der Vorsitzende der Musikgemeinde' die Festansprache. Darin eingefügt wurde ein Zwiegespräch zwischen Eifhildis (Inge Urbahn) und Dhünnwalda (Anne Marie Kotthaus) aus einer Dichtung von Paula Roevenstrunk. Der Freie Volkschor stellte sich unter seinem Dirigenten Arnold Schreiber vor, und zum Schluss waren nochmals die Bläser des Ölberger Instrumentalvereins und die Männerchöre unter der Leitung von Willi Weber zu hören. Bürgermeister Daubach überreichte den Vertretern der teilnehmenden Vereine je eine Urkunde zur Erinnerung an diesen festlichen Tag. Die dritte Strophe des Deutschlandliedes beschloss die Feierstunde am Zuccalmaglio-Denkmal.

Nun sehen wir die Sparkasse. In diesem Gebäude, 1865 vom 'Verein für Volksbildung' erbaut, war ursprünglich die von Burscheider Bürgern gestiftete „Bürgerschule" untergebracht. 1871 erhielt die Stadt Burscheid das Gebäude als Geschenk. Nachdem die Schule 1920 an die Höhestraße umgezogen war, wurde das Gebäude von der Sparkasse genutzt und bis heute mehrfach umgebaut.

Das Postamt, 1909 eröffnet, existiert schon lange nicht mehr in dieser Form und an diesem Ort. Vor 1909 befand sich die Post in dem Gebäude neben der Brücke über die Bahntrasse (heute Parfümerie). An der Seite des Gebäudes ist noch der Post-Adler zu erkennen. Heute gibt es in Burscheid nur Postagenturen.

Von der Hauptstraße aus blickt man zum Ufer und zum Eingang der (1956) Friedrich-Goetze-Straße, heute Am Markt. Links ist das Deutsche Haus zu sehen, rechts die Metzgerei Zerwes und die 'Brünings Ecke.“ Durch den Bau der Umgehungsstraße sind in diesem Bereich der Innenstadt viele alte Häuser verschwunden.

Von der Kirche aus geht der Blick über den Kirchenplatz mit dem Krieger-Denkmal (das sich heute auf dem Friedhof befindet) hinüber zum Gasthof „Alte Post", daneben das Haus mit dem Spitznamen Klarinette (Wohnhaus der Familie Pulvermacher), die heutige Gaststätte 'Bergische Stuben' und das Gemüsegeschäft der Geschwister Busch. In der Klarinette fand nicht nur das erste Konzert der Musicalischen Academie statt, sondern dort war 1841 auch die erste Post-Nebenstelle in Burscheid untergebracht.

Im weiteren Verlauf der Hauptstraße entdecken wir das alte Rathaus (bis 1928), später Textil Erlenköser, und ganz rechts das ehemalige Wohnhaus des Kaufmanns Thiel, in dem später der Maler Schliephake wohnte. Nahe bei der Kirche ist das besonders schön geschmückte Schieferhaus der Familie Rader zu sehen.

In umgekehrter Richtung schweift der Blick über den Kirchplatz mit dem Krieger-Denkmal zur Kirche. Rund um die Kirche war bis in die 1840er Jahre der Friedhof und an dessen Rand die älteste Dorfschule.

Am Sonntagnachmittag, 9. September 1956, eilten alle sportbegeisterten Burscheider zum Sportplatz Griesberg, der rechtzeitig zum Stadtjubiläum neu hergerichtet worden war. Leider war diesem Teil des Jubiläumsfestes kein gutes  Wetter beschieden: es regnete kurz nach Beginn der Veranstaltung heftig, und der Regen wurde nur von kurzen Aufhellungen unterbrochen.

Alle teilnehmenden Burscheider Sportvereine, „die sich für diesen Tag auf eine Demonstration ihrer sportlichen Breitenarbeit bestens vorbereitet hatten: Turner, Ringer, Fuß- und Handballer, Leichtathleten und nicht zuletzt die Kleinsten unter Führung ihres beliebten Betreuers Hans Hoersch" (Zitat Maibüchen) marschierten ein. Bürgermeister Daubach übergab den Sportlern die neu gestaltete Anlage. Stadtdirektor Schmitz und Stadtbaumeister Will erläuterten, dass die Verwaltung keine Kosten und Mühen gescheut habe, um „aus dem bisher von Besatzungsschäden schwer gezeichneten Platz eine würdige Sportstätte zu schaffen" (Zitat Maibüchen). Paul Haas, der Vorsitzende des Zweckverbandes für Leibesübungen, bestätigte diese Feststellungen in seiner kurzen Ansprache. Unter den vielen Zuschauern waren auch viele Ehrengäste wie z. B. Prof. Luchtenberg, dem die Stadt für einen weiteren Zuschussbetrag für den Bau des geplanten Sportplatzhauses zu großem Dank verpflichtet ist.

Die sportlichen Wettkämpfe und Darbietungen begannen mit den 100-m-Vorläufen. Trotz des einsetzenden Regens zeigten die Ringer des TV „Frisch auf" Hilgen ihr Können beim Bau von viel bewunderten Pyramiden. Leider litten alle Wettbewerbe und Vorführungen unter dem immer stärker einsetzenden Regen. Burscheids 'Turnvater' Hugo Pulvermacher war sichtbar besonders stolz, die Einweihung der schönen Sportanlage im Kreise vieler Burscheider Sportler und Zuschauer erleben zu können.

Zum Abschluss sehen wir nochmals einige markante Burscheider Gebäude und Hofschaften. Das Krankenhaus 'Budde-Stiftung', 1884 errichtet und mehrfach umgebaut und erweitert, wurde von Karl Budde gestiftet, einem Burscheider, der es in Südspanien zu einigem Wohlstand gebracht hatte. Das Haus wurde von Anfang an bis Oktober 1952 von Kaiserswerther Diakonissen betrieben. Danach übernahmen die Schwestern der Agnes-Karl-Stiftung diese Aufgabe. In den späten 1960er und 1970er Jahren diente das Gebäude als Altenheim, bevor das Altenzentrum Auf der Schützeneich 1978 fertiggestellt und in Betrieb genommen wurde.

Dierath gehört zu den vielen Burscheider Hofschaften, die von Obstwiesen umgeben sind. Burscheid hat ungefähr 90 dieser „Höef", die teilweise älter sind als der eigentliche Dorf- bzw. Stadtkern. Alle Einwohner fühlten sich dennoch mit der Ortsmitte verbunden, weil dort die Kirche stand. Hier ist das stattliche Fachwerkhaus zu sehen, das 1806 von Johann Peter Engelskotten erbaut wurde. Die Fachwerkhäuser sind nicht nur typisch für die Außenortschaften, sondern auch für den Ortskern, nur sind die meisten Fachwerkhäuser dort im Laufe der Zeit verschwunden oder so verändert worden, dass das Fachwerk nicht mehr zu erkennen ist. Schwarz-weißes Fachwerk mit grünen Fensterläden — das ist die typische Bauweise des Bergischen Landes.